Wer ein Smartphone haben will, muss viel Geld ausgeben? Nicht unbedingt! Das chinesische Unternehmen Huawei führt am 01. September 2011 das Android-Phone Ideos X3 auf dem deutschen Markt ein, und das zu einem Kampfpreis: 99,99 Euro ohne SIM-Lock und Vertrag, aber mit Startguthaben und Prepaid-Karte. Von einem Einsteiger–Smartphone erwartet man Hartplastik, breite Spaltmaße und natürlich veraltete Technik. Ob es sich beim ersten Smartphone des chinesischen Netzausrüsters Huawei wirklich nur um Billig-Schrott aus Fernost oder einen anwenderfreundlichen Tipp für Sparfüchse handelt, wollten wir herausfinden und haben den 100-Euro-Androiden deshalb einem Alltagstest unterzogen. Mit erstaunlichem Ergebnis!
Ein Smartphone wie aus einem Guss

Das nur elf Millimeter flache und 105 Gramm leichte Gerät überrascht mit Design und Materialauswahl. So liegt das Ideos X3 dank gerundetem Gehäuse und Softtouch-Überzug bequem in der Hand und wirkt erstaunlich wertig. Als schickes Designelement verwendet Huawei einen auf Alu getrimmten Kunststoffrahmen, der sich um Seiten, Stirn und den unteren Bereich der Front zieht. Die Designer bauten die Oberfläche komplett bündig und durchgehend aus einem Material: ein Smartphone wie aus einem Guss.
Die Oberseite des Ideos X3 wird von einem kapazitiven Touchscreen dominiert. Es misst 3,2 Zoll in der Diagonalen und ist damit minimal kleiner als das iPhone (3,5 Zoll). Der gute äußere Eindruck des Smartphones setzt sich auf dem Bildschirm fort, denn trotz der geringen Auflösung (320 × 480 Pixel) lassen sich Schriften und Icons gut erkennen. Das Display bietet eine sehr helle Darstellung, satte Farben und überzeugende Blickwinkel.
Android-2.3.3-Gingerbread für das Huawei Ideos X3
Huawei hat dem Betriebssystem eine eigene Benutzeroberfläche spendiert. Diese wurde beim Ideos X3 erfolgreich über das reguläre Android 2.3.3 gestülpt und präsentiert sich in 3D. Dem Nutzer bieten sich so durch verschiedene Animationen, Themes oder Schnellzugriffe unzählige Gestaltungsmöglichkeiten. Die Software ist sehr gut an die Hardware angepasst, so dass sich die Oberfläche beim ersten Navigieren und Scrollen im Menü flüssig anfühlt. So klappt nicht nur die Bedienung mit einem oder zwei Fingern präzise und zuverlässig, sondern auch Apps starten ohne nennenswerte Verzögerungen.
Zur Software und ihrer Gebrauchstauglichkeit

Bereits beim Lesen von Webseiten und Dokumenten stößt das Einsteiger-Handy an seine Grenzen. Die eher mäßige Auflösung und die geringe Größe des Bildschirms zwingen den Nutzer zu starkem Zoomen, um alle Informationen erkennen zu können. Auch die eingeblendete Standardtastatur ist für unseren Geschmack zu klein und für große Finger oft schwer zu treffen. Hier kann jedoch mit der Nutzung des Geräts im Landscape-Modus oder einer alternativen Handytastatur aus dem App-Store Abhilfe geschaffen werden.
Kein Einzelfall - Dass eine zusätzliche App als Ergänzung zu bereits integrierten Features nötig ist, um die ausnahmslose Gebrauchstauglichkeit des Smartphones zu garantieren, ist beim Ideos X3 keine Seltenheit. Viele der angebotenen Zusatzanwendungen scheinen aus der Not heraus entstanden zu sein, da das eigentliche Smartphone ohne deren Installation nicht immer benutzerfreundlich anzuwenden wäre. Dem Nutzer stehen dabei über 300.000 meist kostenfreie Apps im Android App-Store zur Verfügung. Teilweise muss er jedoch auf die Kreditkarte zurückgreifen, um sein Handy aus Usability-Sicht voll ausnutzen zu können, was den Gesamteindruck etwas trübt.
Ein konkretes Beispiel: Wer den aktuellen Akkustand nicht nur als Füllstandsanzeige präsentiert bekommen möchte, sondern die detailliertere Prozentangabe vorzieht, kommt um eine externe App aus dem Store nicht herum.
Hardware und Alltagstauglichkeit
Bei der Akkuleistung an sich gibt sich das X3 jedoch keine echte Blöße. Mit bis zu 300 Stunden Standby und 4 Stunden Gesprächszeit, hätten dem Gerät zwar mehr als seine 1200 mAh nicht geschadet, aber eine durchschnittliche Nutzdauer von zwei Tagen ist bei einem Einsteiger-Smartphone akzeptabel. Bei häufiger Nutzung und stromfressenden Tätigkeiten hält der Akku jedoch nur knappe 24 Stunden. Das Ideos X3 wird via USB geladen, so dass man stets einen Computer benötigt, um den Akku wieder aufzufüllen. Abhilfe schafft hier das beiliegende USB-Ladegerät.
Da das X3 nur 512 MB internen Speicher hat und lediglich eine 256 MB Micro-SD-Karte beiliegt, ist ein späteres Upgrade für ambitioniertere Nutzer wohl unvermeidlich.
3,2 Megapixel: eine ziemliche Enttäuschung
Auch von der eingebauten Kamera des Huawei Ideos X3 sollte der Nutzer keine Wunder erwarten. Sie knipst Fotos mit 3,2 Megapixel, wobei Autofokus, optischer Zoom und Blitz fehlen. Bei schlechten Lichtverhältnissen kann der Nutzer sich den Aufruf der Kamera App sogar ganz sparen, denn dann kommt es schnell zu Bildrauschen und verwackelten Fotos. Videos werden mit einer maximalen Auflösung von 800x480 Pixel in den Speicher gebannt. Für das obligatorische Facebook-Foto reicht die Kamera jedoch allemal.
Fazit
Die Zeiten der herablassend belächelten Chinaböller sind vorbei. Natürlich spielt das Huawei Ideos X3 in einer anderen Liga als das Samsung Galaxy S2 oder das HTC Sensation, aber das bedeutet nicht, dass man unzumutbare Einschränkungen in Kauf nehmen muss. Ganz im Gegenteil: Das Einsteiger-Handy hat mit Android 2.3.3 ein aktuelles Betriebssystem mit einer schönen Oberfläche, 802.n und HSDPA, ist gut verarbeitet und zeigt sich auch bei der Bediengeschwindigkeit von seiner guten Seite. Eine echte Blöße gibt sich der günstige Chinese demnach nur bei der Kamera.
Trotz des kleinen Preises liefert Huawei also ein gut ausgestattetes und solides Handy ab und verweist Billiganbieter damit auf ihre Plätze. Der Preis von unter 100 Euro ist bestechend, die Funktionalität dank aktuellem Android-Betriebssystem absolut ausreichend. Wer nicht permanent auf ein Smartphone angewiesen ist oder sich kein teureres leisten will, macht mit dem Huawai Ideos X3 deshalb auf keinen Fall etwas falsch, sondern wird überrascht sein, wie viele Punkte das Smartphone im Alltag sammeln kann.