Handys werden kompakter, die Technik komplexer. Führende Produzenten von Mobiltelefonen bringen in immer schnellerem Rhythmus neue Produkte auf den Markt. Bei deren Konzeption hatten Entwickler und Marketingstrategen jedoch lange nur eine junge und technikaffine Zielgruppe im Visier.
In den letzten Jahren entdeckten die Hersteller darüber hinaus eine neue Käuferschicht: die Generation 50 plus. Denn auch Menschen in vorgerücktem Alter wollen am digitalen Leben teilhaben und lassen sich nicht mehr mit Fernsehabenden und Volksmusik ruhigstellen. Natürlich hat die ältere Generation dabei andere Anforderungen an ein Mobiltelefon als die heutigen, mit Smartphone aufgewachsenen Jahrgänge. Die Firmen haben diese Entwicklung anscheinend erkannt, denn sie werben mit Slogans wie : "Unser Seniorenhandy hat eine große Tastatur, ein großes Display, ein übersichtliches Menü und wenig Schickschnack."
Leider wird das Bedienkonzept bei diesen Überlegungen oft außer Acht gelassen. Auch die Stiftung Waretest kommt unter der Kategorie Einfach- und Seniorenhandys zu einem erschreckenden Ergebnis. Keines der dort inspizierten Telefone ist für Senioren geeignet. Jedoch steht auch in dieser Testreihe nicht die Benutzertauglichkeit im Vordergrund, sondern weiterhin Eigenschaften wie die Akkulaufzeit und die Größe des Displays. Dabei ist es doch gerade für Senioren wichtig, mühelos eine SMS an den Sohn zu verschicken oder ein schnelles Telefonat mit der Schwiegertochter zu führen, ohne sich vorher durch eine komplexe Menüführung hangeln zu müssen. Denn allein dieses Wort klingt für einen älteren Menschen schon viel zu kompliziert.
Es liegt also an der Usability, seniorengerechte Bedienkonzepte zu fördern, damit auch die Generation 50 plus Freude am unkomplizierten Umgang mit Mobiltelefonen haben kann.
Anforderungen an ein Seniorenhandy
Was sind die Probleme dieser Generation und die daraus resultierenden Anforderungen an ein Seniorenhandy aus Usabilty Sicht?
Senioren und Smartphones - ein Widerspruch?
Aus Usability Sicht drängt sich die Frage auf: Warum gibt es eigentlich kaum Smartphones mit einer Bedienoberfläche für Senioren? Gängige Smartphones beschränken sich nicht auf die Grundfunktionen, sondern werden immer mehr zu einer Spielekonsole, einem Fotoapparat, einem Navi oder einem Terminkalender ausgebaut. Diese Funktionserweiterung wirkt einem seniorengerechten Bedienkonzept entgegen und überfordert die ältere Generation mit unnötiger Komplexität. Demzufolge ist hier die Usability gefordert, um Senioren eine effiziente und effektive Bedienung von Smartphones zu ermöglichen. Einen gelungenen Ansatz bietet in diesem Bereich Android mit seiner neuen Anwendung für Sehgeschädigte: BIG Launcher. Der Startbildschirm beschränkt sich dabei auf das Datum, die Uhrzeit und sechs große, wesentliche Icons, die den Nutzer zu den Basisfunktionen des Handys weiterleiten.
Fazit
In den letzten Jahren haben sich einige Hersteller auf den Bereich Seniorenhandys spezialisiert und damit eine Nische abgedeckt, die von den großen Handyherstellern bisher nicht bedient wurde. Leider werden physischen Einschränkungen der Generation 50plus dabei oft nur teilweise Rechnung getragen. Geschwächte Sehkraft, Motorik und Hörvermögen verlangen neben einem ergonomischen, stabilen Äußeren des Handys auch große Tasten und ein übersichtliches Display. Damit Senioren sich nicht länger durch ein Labyrinth aus Funktionen und Features quälen müssen, ist das Usability Engineering überdies gefordert, das Produkt unter Entwicklung einer klaren und intuitiven Menuführung abzurunden. So kann sie einen Beitrag zur Verbindung zwischen den Generationen leisten und dem Großvater damit einen kleinen Einblick in die Lebenswelt seiner Enkel bieten.