Arabischer Frühling, Fukushima, Euro-Krise, Guttenberg-Affäre, Norwegen-Attentat: die vergangenen 12 Monate haben uns wie kaum ein Jahr zuvor in Atem gehalten. Und auch in der IT- Welt könnte 2011 als Jahr der Umbrüche in die Geschichte eingehen. Große Erfolge und tiefe Trauer bei Apple, der triumphale Siegeszug der Tablets und Krisenstimmung rund um Hewlett-Packard.
Der Kult um das Apfel-Logo erreicht seinen Höhepunkt
Als ein Unternehmen, das die Umbrüche des zurückliegenden Jahres nicht nur massiv vorangetrieben, sondern auch beträchtlich davon profitiert hat, ist Apple der Sieger des Jahres 2011. Den Kaliforniern ist es erneut gelungen ihre Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und ihre Fangemeinde stetig zu erweitern. Bis Ende September verbuchte der iPhone-Hersteller Einnahmen von 81,6 Milliarden Dollar und einen Profit von 19,9 Milliarden Dollar. Das hohe Innovations- und Erfolgstempo des Konzerns spiegelt sich in dessen Börsenwert wider und die Apple-Verantwortlichen blicken auf das erfolgreichste Jahr ihrer Firmengeschichte zurück. Doch der Tod von Steve Jobs am 5. Oktober nahm dem Konzern nicht nur seinen langjährigen Chef und Gründer, sondern auch einen Technik-Visionär. Seine Visionen prägten neben dem Unternehmen selbst gleich mehrere Industrien- mit dem Tablet-PC iPad mischt Apple die PC-Branche auf, mit dem iPhone werden anhaltend Maßstäbe in der Mobilfunkindustrie gesetzt und über iTunes wird schon seit Jahren der Musikkonsum neu definiert. Der iPod revolutionierte die Verbreitung von Songs und verdrängte binnen kürzester Zeit den Walkman oder tragbare CD-Spieler. Dafür wird Steve Jobs im Februar 2012 postum mit einem Grammy geehrt, dem wichtigsten Preis der US-Musikbranche.
Der triumphale Siegeszug der Tablets
Man findet sie inzwischen überall: in Zügen, an Flughäfen, in Restaurants, auf der Parkbank- Menschen, die fasziniert auf ihre Tablet-Computer blicken. Seit der Einführung des iPad durch Apple im April 2010, halten diese Alleskönner geradezu unaufhörlich Einzug in den privaten Bereich und die Geschäftswelt. Auch in der Informationswirtschaft finden sie rasche Verbreitung und etablieren sich als Alternative zum Desktop-PC und Notebook. Bereits 25 Prozent der Unternehmen in diesem Zweig statten ihre Mitarbeiter mit Tablets aus. Bis Ende 2012 wird der Anteil um zwölf Prozentpunkte steigen. So die Ergebnisse einer Umfrage, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im September in Zusammenarbeit mit der Creditreform durchgeführt hat. Als Apple im März sein iPad2 vorstellte, fanden am ersten Verkaufswochenende 500.000 Geräte einen Käufer. Damit übertrumpfte der Anbieter sich selbst. Von der ersten iPad-Version verkauften sich zum Start "nur" 300.000 Stück. Angelockt von den Triumphen Apples und den optimistischen Prognosen bemühten sich im vergangenen Jahr etliche andere Hersteller auf den Erfolgszug aufzuspringen und einen Anteil vom Tablet-Kuchen zu ergattern. So brachte der neu belebte Tablet-Markt 2011 zahlreiche Geräte verschiedenster Anbieter hervor-von der Tablet-Flut auf der CES im Januar bis hin zu den Neuheiten für das erfolgversprechende Weihnachtsgeschäft. Insgesamt gingen etwa 70 Millionen Geräte über die Ladentische. Für 2012 rechnen Experten sogar mit einem weltweiten Tablet-Absatz von über 100 Millionen.
Hewlett-Packard in der Krise
Während die Tablet-Hersteller triumphierten, bekamen die PC-Anbieter schmerzhaft zu spüren, wie schnell sich der Wind im Markt drehen kann. 2011 flaute das Interesse an PCs und Notebooks merklich ab und die Marktforscher von Gartner kamen zuletzt fast nicht mehr hinterher, ihre Prognosen nach unten zu korrigieren. Rechneten die Analysten zunächst noch mit einem Absatzplus von fast 16 Prozent für 2011, liegen die aktuellen Vorhersagen sogar unter der Vier-Prozent-Marke. Mit diesen Veränderungen geraten etablierte Firmenmonopole ins Wanken. So überrascht Branchenprimus Hewlett-Packard im Sommer des zurückliegenden Jahres mit der Ankündigung, sein PC-Geschäft ausgliedern zu wollen. Sowohl auf Seiten der Anwender, als auch in Börsen- und Analystenkreisen sorgte der unvorhergesehene Beschluss für große Irritationen, da das Unternehmen in der PC-Sparte schwarze Zahlen schrieb und die für fast ein Drittel des HP-Umsatzes sorgten. Zudem proklamiert Konzernchef Léo Apotheker kurz darauf das Ende von HPs Tablet-Plattform rund um das Touchpad und das Betriebssystem WebOS. Einen guten Monat später muss er seinen Chef-Posten bei HP räumen. Die neue Führung unter Meg Whitman, Ex-Ebay-Chefin, tat alles, um die umstrittenen Ankündigungen zu korrigieren. Der Abschied vom PC-Geschäft ist inzwischen vom Tisch, WebOS der Community überlassen und ein Comeback im Tablet-Geschäft weiterhin im Gespräch. Ob es der Nachfolgerin Apothekers gelingt, dem weltweit größten IT-Unternehmen wieder zum Aufstieg zu verhelfen, dürfte eine der spannendsten Fragen für 2012 werden.
Trends 2012
Was für 2011 galt, gilt auch für 2012: der Regentanz um die Wolke hält an, denn gerade die etablierten Branchengrößen wollen sich von den Cloud-Newcomern nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Bei dem vielbeschworenen Megatrend der IT-Branche mieten Privatleute und Unternehmen Speicherkapazität, Rechenleistung und PC-Programme aus dem Internet, statt sie wie bislang selbst zu kaufen. Um diese Kapazitäten auf Abruf anzubieten, müssen IT-Konzerne mit Milliardeninvestitionen in Vorleistung gehen. Obwohl die Cloud sich verdichtet und die Marktforscher von Gartner den weltweiten Umsatz mit Cloud-Computing im Jahr 2014 auf 150 Milliarden prognostizieren, ist unklar, ob dieser Boom ebenso lukrativ für die IT-Branche sein wird wie der traditionelle Verkauf von Softwarelizenzen. Bei Apple liegt die Messlatte hoch und das Unternehmen muss nach iPod, iPhone und iPad bald wieder ein komplett neues Produkt präsentieren, um die Anwender und die Börse zu begeistern. Wenn die Gerüchte stimmen, könnte der nächste Meilenstein im Jahr 2012 der Einstieg ins TV-Geschäft sein. Diesen Markt wollte der im Herbst verstorbene Steve Jobs unbedingt noch umkrempeln und nun müssen seine Nachfolger beweisen, dass sie die Erfolgsgeschichte auch ohne den kompromisslosen Perfektionisten fortschreiben können. Im Großen und Ganzen stehen wir also am Anfang eines neuen spannenden IT-Jahres und dabei geht es nicht nur um wolkenartige Hype- Begriffe, sondern auch um handfeste Technologien. Aus Usability Sicht interessieren uns hier natürlich vorallem die kommenden Produkt-Vorstellungen. Längst sind PC und Notebook nicht mehr als primäre Computing-Devices gesetzt. Leistungsstarke Tablets, Smartphones und demnächst wohl auch Ultrabooks laufen ihnen in der Anwendergunst den Rang ab. Und auch, ob das erste Fernsehgerät mit dem Apfel-Logo aus benutzerfreundlicher Sicht ein Erfolg wird, steht zu Beginn des Jahres 2012 noch in den Sternen.