Das Fernsehen wurde in den letzten Jahren wiederholt für tot erklärt. Dabei ist es lebendiger als je zuvor! So wuchs der deutsche Fernsehmarkt 2010 um ganze 4,2 Prozent und dieses Wachstum soll sich Prognosen zufolge konsequent fortsetzen. Bis 2015 wird ein durchschnittlicher jährlicher Zuwachs von zwei Prozent erwartet. Zu diesem Schluss kommt die Studie „German Entertainment and Media Outlook: 2011-2015“ der Firma PWC (PricewaterhouseCoopers). Die Nutzung des Fernsehens als Medium hat sich dabei natürlich verändert. Das Internet hält nun auch im Wohnzimmer Einzug und die Zeiten, in denen der surfwillige Fernseh-Zuschauer mit dem Laptop vor dem TV sitzt, neigen sich dem Ende zu. Fernsehgeräte mit integriertem Internettuner, die auf eine Vielzahl von zusätzlichen Services in Form von Apps zugreifen können, gewinnen an Popularität. Bitkom prognostiziert für 2012 einen regelrechten Verkaufsboom dieser Geräte. So sollen dieses Jahr etwa 5 Millionen Smart TVs in Deutschland verkauft werden. Das wäre ein Anstieg von 35 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr und ein Anteil von 50 Prozent aller verkauften Geräte.
2012: Jahr des Interfaces ?!
Vom 10. bis zum 13. Januar 2012 fand in Las Vegas die Consumer Electronics Show (CES) statt. Die 3.100 Aussteller zeigten Produkte aus der Computerwelt und der Unterhaltungsindustrie. Mit mehr als 153.000 Fachbesuchern und einer Ausstellungsfläche von 172.892 Quadratmetern war die CES 2012 die bisher größte ihrer Geschichte, sagt der Messe-Veranstalter CEA. Insgesamt wurden mehr als 20.000 neue Gadgets in Las Vegas vorgestellt. Während im letzten Jahr 3D-Technik im Vordergrund stand, waren es bei den Unterhaltungselektronik-Geräten diesmal, laut Shawn DuBravac, vor allem neue Bedienkonzepte. Hier übte der Chefökonom des US-Branchenverbands für Konsumelektronik, mit seiner These, 2012 werde das Jahr des Interfaces, Kritik an der eigenen Branche. Zwar entwickeln die Hersteller Jahr für Jahr neue Innovationen, die Bedienbarkeit bleibt dabei aber sehr häufig auf der Strecke. Gerade Smart TVs sind von der Benutzerfreundlichkeit aktueller Smartphones und Tablets noch meilenweit entfernt.
Usability von Smart TVs: die große Herausforderung im Jahr 2012
Die Gebrauchstauglichkeit einer Benutzerschnittstelle (User Interface) ist mit Abstand einer der wichtigsten Faktoren bei interaktiven Systemen. Auch im Fernsehen werden grafische Nutzeroberflächen (GUI) zukünftig eine entscheidende Rolle spielen. Allerdings sind bei deren Entwicklung einige Besonderheiten zu beachten, denn die Konzepte und Prinzipien aus dem Internet bzw. aus dem Bereich der mobilen Endgeräte lassen sich nicht 1:1 auf das interaktive Fernsehen übertragen. Während beispielsweise der PC auf eine aktive Nutzerrolle zugeschnitten ist, wird die Mediennutzung beim klassischen Fernsehen durch eine passive „Lean-Back“ Haltung bestimmt. An dieses Rezeptionsszenario müssen demzufolge auch Benutzeroberflächen angepasst werden und interaktive Anwendungen so einfach wie möglich aufgebaut sein. Dass es eine große Herausforderung ist, Oberflächen zu entwickeln, die trotz komplexer Operationen eine sehr einfache Handhabung gewährleisten, sieht man an den Ergebnissen einer aktuellen Bitkom Studie: Nur 13 Prozent der Personen, die einen Smart TV besitzen, gehen damit auch tatsächlich aktiv online. Zum Vergleich: 99 Prozent der Computerbesitzer tun das mit ihrem Laptop. Und immerhin 27 Prozent aller Bürger gehen mobil mit Smartphone oder Tablet-PC ins Web.
Dabei sind die Möglichkeiten von Smart TVs enorm. Sie erlauben eine intelligente, personalisierte und globale Mediennutzung einschließlich mobile Devices. Den am Markt erscheinenden Applikationen fehlt es jedoch häufig noch an der Bedienbarkeit und Leichtgängigkeit. Damit sich die interaktive Mediennutzung auch bei der breiten Masse durchsetzt und nicht nur für „Technik-Freaks“ interessant bleibt, ist Usability deshalb von unschätzbarem Wert. Denn der Erfolg digitaler Produkte hängt mittlerweile sehr stark vom Look&Feel der Softwareoberfläche ab. Für die Zukunft sehen fast alle Experten Parallelen zum Umbruch bei der Mobiltelefonnutzung. So gab es zwar schon seit 1999 internetfähige Handys ; der eigentliche Durchbruch kam aber erst ein paar Jahre später, als Inhalte angeboten wurden, die speziell auf Mobiltelefone ausgerichtete waren. Ähnlich wird die Entwicklung voraussichtlich auch beim Fernsehen sein, sobald die Anzahl der Videoangebote im Netz zunimmt, die speziell auf TV-Geräte ausgelegt sind. Bis dahin hoffen wir, dass die Smart TV-Entwickler sich 2012 der Herausforderung stellen und Geräte auf den Markt bringen, die Anwendern benutzerfreundliche und entspannte Fernsehabende garantieren.
stimmt! Mein smart TV ist leider sehr unbefriedigend zu bedienen hier sehe ich große Chancen für ein Benutzer freundliches gerät . Bleibt mal wieder die große Hoffnung bei Apple!