„Ich habe verstanden, dass das Leben erst beginnt, wenn man anfängt, eigene Inhalte zu produzieren.“ Dieser philosophisch anmutende Satz stammt nicht von einem erwachsenen Mann mit grenzenloser Lebenserfahrung, sondern von Nick D'Aloisio, einem 16jährigen Engländer. Und auch sonst ist die Gedankenwelt des Schülers alles andere als alltäglich. Er gehört zur Generation, die sich an eine Zeit ohne iTunes, YouTube und Smartphones kaum erinnert. Mit neun Jahren bekam der Autodidakt sein erstes MacBook und drei Jahre später stellte er mit dem iPhone Entwicklerkit seine erste eigene Software fertig. Während seine Altersgenossen noch die Schule verfluchen und die erste Liebe genießen, wird Nick D'Aloisio bereits jetzt als das Wunderkind der IT-Szene gefeiert. Denn ihm gelang, woran die Branchenriesen Google und Microsoft bislang scheiterten: die Erfindung einer App für eine intelligente Suche im Web.
Innerhalb von drei Monaten programmierte das junge Tech-Talent die entsprechende Testversion, deren Entwicklung durch den chinesischen Investor Li Ka-Shing mit 250 000 Dollar finanziell ermöglicht wurde. Dessen Vermögen wurde vom Forbes Magazine auf 23 Milliarden US-Dollar geschätzt und er hat mit seinen Investitionen in die Internetkonzerne Skype, Facebook und Spotify schon mehrfach gutes Gespür bewiesen.
Das andere Google
In einer Zeit, in der viele Nutzer vor dem Datenwust Googles resignieren, soll D'Aloisios App Summly die Websuche revolutionieren. Der junge Entwickler hat sich zum Ziel gesetzt, das Web wieder userfreundlich zu machen und die Suche auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ausschlaggebend dafür waren die Google-Suchergebnisse, die seiner Meinung nach oft keinen qualitativen Anspruch erfüllen und Websites nur nach Schlagwörtern und technischen Details bewerten. Google habe zwar Instant Preview, aber was in so einem Fall notwendig sei, sei Content Preview. Deshalb sucht die lernfähige App nach inhaltlichen Kriterien und kann durch semantische Textanalyse von Webseiten und Suchalgorithmen lange Artikel bzw. Webseiten stark verkürzen und diese auf die Kernaussagen zusammenfassen. Summly ist damit ein weiterer Mosaikstein auf dem langen Weg zu einer Software, die die Bedeutung von Wörtern zu erschließt.
Google: Instant Preview Summly: Content Preview
Summly lässt sich leicht bedienen
Eine Testversion der intelligenten Suchmaschine Summly, ist für die Nutzer bereits jetzt kostenlos im App-Store verfügbar. Die Bedienung ist intuitiv und verständlich: Einfach Suchbegriff eingeben und Artikel aus der Liste auswählen – schon erhält der Nutzer eine übersichtliche Zusammenfassung des Inhalts in Form der wichtigsten Kernaussagen. Auch die zutreffendsten Schlagworte werden aufgelistet und leiten, wenn gewünscht, in angrenzende Interessensgebiete weiter. Mit Summly lässt sich also definitiv viel Zeit beim mobilen Recherchieren sparen, denn der Suchende kann mit einem Blick abschätzen, ob die Website für seine Nachforschung relevant ist. Außerdem filtert der Suchalgorithmus mit den Zusammenfassungen auch typische “SEO-Seiten” heraus, die für die User keinen Mehrwert liefern. Wird ein Artikel unabhängig von Summly gefunden, so kann auch dieser mittels der URL-Eingabe zusammengefasst werden. Ermöglicht wird dies durch die angebotene Browserintegration in Safari. Über ein zuvor angelegtes Bookmark wird man benutzerfreundlich und schnell zu der App weitergeleitet, ohne zeitaufwändiges Navigieren auf dem Homescreen.
Ideenreichtum des jungen Erfinders lässt viel Innovatives erwarten
Die App des jungen Technikvirtuosen verspricht eine neue Art der Suche und aus Usability-Sicht spricht Vieles dafür, dass Summly zumindest Impulse in Richtung verbesserter Inhaltsanalyse geben kann. Der Service ist derzeit noch im Anfangsstadium, doch es lohnt sich mit Sicherheit das Projekt, das momentan auf 12 verschiedene Sprachen optimiert ist, weiter zu verfolgen. Im Augenblick arbeitet Summly noch am Besten mit wohlformulierten Texten und einer kontinuierlichen Struktur. Artikel über Technologie und News sind dabei ideal auf Summlys Algorithmus abgestimmt. Andere Themengebiete und Strukturen bereiten der App teilweise noch Probleme. Und auch Texte, die bereits im Original weniger als 500 Worte aufweisen, können nicht komprimiert werden. Dementsprechend wird eine Verbesserung des Algorithmus, der Analysen und der Zusammenfassungen angestrebt. Da Summly derzeit nur für iOS verfügbar ist, sollen im Laufe des Jahres auch eine App für Android und eine Webversion folgen. Doch dabei wird es nicht bleiben, Nick D'Aloisio hat mehr vor. Der ausufernde Content von sozialen Netzwerken und Suchergebnissen im Internet benötige Tools wie Summly, um ihn zu bändigen, sagt er. Auch eine Komprimierung von E-Mails und E-Books sei denkbar. Es ist dieser Innovationsgeist, der das Leben des Schülers antreibt und wir sind gespannt, was wir in den nächsten Jahren von dem Jungunternehmer erwarten können. Schließlich wird er schon jetzt mit Google-Gründer Sergey Brin verglichen.